MenuKreisgruppe Freyung-GrafenauBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Totholz-Stapel

Totholz bringt Leben

„Totholz bringt Leben!“ So ist ein Großteil der in etwa 8000 mitteleuropäischen Käferarten mehr oder weniger an ein vielseitiges Totholz-Angebot gebunden. Der starke Rückgang im Totholz-Angebot - sowohl in Menge als auch in der Vielfalt - hat viele Tierarten, Moose, Pilze und Flechten am Rande des Aussterbens gebracht. Der Schwund alter Bäume und ihr natürliches langsames Sterben sind dabei ein wesentlicher Faktor. Waren lange Zeit Siedlungen mit ihren Alleen, Plätzen, Parkanlagen und Hausbäumen wesentlicher Rückzugsraum für Totholz- und Altbaum-Bewohner, so hat sich diese Situation infolge einer immer dynamischeren Siedlungsentwicklung und einer geänderten Einstellung zur Haftungsfrage grundlegend geändert. Mit der neuen „Pflasterwelle“ gibt es sogar immer weniger Platz für kleindimensioniertes lebendiges Grün. Das ist mehr als verwunderlich, da die hohe gesundheitliche Bedeutung von Grünanlagen und damit ihr volkswirtschaftlicher Wert schon lange unumstritten ist, aber dennoch aus dem Blickfeld der Planer zu einem dekorativen Rest verschwand. Mit Totholz-Stapeln und Reisig-Haufen können wir ein Stück ökologisch bedeutsamen Lebensraum in unseren Siedlungsraum zurückbringen. Totholz-Stapel bieten Arten, wie Spitzmaus, Igel, Iltis und Wiesel, Verstecke und Wohnraum, Zaunkönig und Rotkehlchen finden Brutmöglichkeiten. Sie finden hier auch Würmer, Schnecken, Spinnen und weitere Insekten als Nahrung. Stark angefaultes Totholz bietet Farnen, Kräutern und Gehölzen Keim- und Wachstumsmöglichkeiten. Faulstellen in Altbäumen ermöglicht sogar die epiphytische Ansiedlung von Birke, Holunder und Vogelbeere; dieses kennen wir fast nur noch von der Mistel, für den Tüpfelfarn reicht dazu auch tief gefurchte Rinde. Stehendes Totholz ist wichtig für Spechte und die vielen Nachnutzer ihrer Spechthöhlen. Dazu zählen Bilche, Eichhörnchen, Baummarder, Fledermäuse, viele Vogelarten, Wildbienen und Hornissen.

Sehr wichtig ist auch die Bedeutung von Totholz bei der Bodenbildung. Zersetzt durch Mikroorganismen, Pilze, Würmer und Insekten entsteht als Humus ein wichtiger Kohlenstoff-, Nährstoff-, und Wasserspeicher, der Grund, wieso liegendes Totholz eine wichtige Rolle bei der Verjüngung der Gehölze (Rannen-Verjüngung) spielt. Bei der Pflege und Entwicklung der vom Bund Naturschutz angekauften Flächen haben die Entwicklung von Totholz-Vorrat, das Angebot verschiedener Totholz-Formen, die Entstehung von Altholz und die Duldung abweichender Stamm- und Kronen-Formen eine wichtige Rolle. Dort, wo es um die Entwicklung von Fichten-Moorwald geht, setzt die gesetzliche Pflicht zur Vermeidung und Bekämpfung von Borkenkäfer-Befall enge Grenzen, obwohl gerade dort das Totholz bei der Moorbildung eine wesentliche Bedeutung einnimmt. Wie wir versuchen dieses Problem in den Flächen des EU-Projekts ,,Life for Mires = Leben für Moore '' und den Flächen des Bayerischen Klimaschutzprogramms zu lösen, wird unter ,,Unsere Flächen'' dargestellt. (Text: K.Kleijn)