MenuKreisgruppe Freyung-GrafenauBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Nachruf von Mgr. Pavel Světlík

Eine zierliche Frau mit großem Herzen

Prachatitz verabschiedet sich von Prof. RNDR. Ing. Vlasta Kroupová CSc.

von Mgr. Pavel Světlík - ehemaliger Prediger von Církev bratrská in Husinec, zur Zeit Leiter der Gesellschaft „A Roch – Křesťané v ochraně přírody o.p.s.“ (www.arocha.cz), Übersetzt von Luděk Němec

Am 1. 10. wird sich die Stadt Prachatitz in der St. Peter und Paul Kirche von der bedeutenden und bescheidenen Frau Professorin Kroupová verabschieden. Die Professur der Physiologie der Wirtschaftstiere erwarb sie von dem von ihr so geliebten Václav Havel. Damals übergab noch der Präsident mit Freude alle von den Universitäten vorgeschlagenen Professuren (der tschechische Präsident Zeman lehnt dauerhaft ab, manche vorgeschlagenen Professorinnen und Professoren zu ernennen, Anmerkung des Übersetzers).

Die freundliche Frau Prof. Vlasta lernten ich und meine Frau Radka in ihrer Heimat in Ernstbrunn (Arnoštov) um die Jahrtausendwende kennen. Sie empfang uns mit großer Wärme in ihrem Haus am Pucherbach (Pucherský potok), das sie selbst als „Stand des Grünen Herzen“ nannte. Uns hatten mit ihr gleich mehrere Sachen verbunden – die Beziehung zur Böhmerwaldlandschaft, der Naturschutz, ähnliche politische Stimmung, gefälliges Verständnis für die deutsch-tschechischen Beziehungen und vor allem der Glaube an Christus. Frau Vlasta war eine edelherzige Frau mit einem außergewöhnlichen Intellekt aber auch einem einfachen oder eher universalen christlichen Glauben an den Gott Schöpfer und Erlöser.

Die zwanzig vergangenen Jahre unserer Beziehung waren gefüllt von hunderten Stunden von vor allem Abend- und Nachtgesprächen. Es waren ernsthafte sowie leidenschaftliche Diskussionen und Suche nach Antworten auf unseres gemeinsame Tappen a Zweifel über die weitere Entwicklung unseres Volkes, Kirche, Christentum sowie auch des Naturschutzes, Waldes und der Landschaft.

Frau Vlasta war eine Frau von Taten und bemerkenswerten Aktivitäten. Vor allem auf dem Gebiet ihres geliebten Ernstbrunn (Arnoštov), Christianberg (Křišťanov), Oberhaid (Zbytiny) und anderen Einöden in der Umgebung. Sie rettete eine Reihe von Denkmälern, vor allem Kapellen und Wegkreuzen. Für die Rettung dankt ihr auch der Friedhof in Christianberg. Zusammen mit dem bayerischen Freund Josef Fischer, den sie selbst „Josef der Evangelist“ nannte, und einer Gruppe von begeisterten jungen Naturschützern und Ornithologen rettete sie auch die denkwürdigen Brunnen in Miesau (Vyšný). Sie entdeckte fünf Brunnen bei zerstörten Häusern, aus den Feldern trugen sie dann zusammen mit der Gruppe Steine und erneuerten die Rande dieser Wasserquellen. Die ergänzte sie und Josef mit Tafeln mit Beschreibungen von Brunnen in der Heiligen Schrift (Josef-Brunnen, Isaak-Brunnen, usw.).

Bei einem anderen Projekt bereitete sie mit dem Freund Bohouš Nauš Unterlagen zum geologischen Naturlehrpfad in der Nähe von Sablat (Záblatí) vor. Jahrelang arbeitete sie mit Dřípatka, Helenka Klimešová, zusammen, vor allem figurierte sie als Mitgründerin des Grünen Herzen Europas. In diesem deutsch-österreichisch-tschechischen Naturschutzprojekt hatte sie das Hauptwort der tschechischen Seite.

An der Südböhmischen Universität erwarb sie schrittweise die Position einer anerkannten Spezialistin und Wissenschaftlerin sowie einer netten und anspruchsvollen Lehrerin. Ich selber traf in Ernstbrunn mehrere ihre dankbare Doktoranden, die zu ihr als ihre „Kinder“ (eigene hatte sie nicht) kamen. Und nicht nur Studenten, sondern oft auch Kinder aus der Umgebung oder unsere eigene aus den naturwissenschaftlichen Vereinen „Kapka“ (Tropfen) und „Kos“ (Amsel) fanden hier an Wochenenden ihre Heimat und Belehrung sowie Anschließung in die Arbeit für die Natur. Ich erinnere mich gern an die Treffen mit Herrn Nauš, Věra Soukupová und den Jungen Vondrks bei kleinen Ausstellungen und Identifizierung von gesammelten Pilzen, Steinen oder Blumen und am Abend beim Braten von bayerischen Wursten vom Freund Josef. Im Mittelpunkt war die Hausherrin, die sich besonders freute, dass ihr Haus allen netten Gästen dient. Lustig und witzig waren auch die sozusagen historischen Bezeichnungen einiger nebenständigen Häuschen und Überdächer bei dem Haus. Sie trugen ihre deutschen Namen: „Hühnerstall“, wo mehrere Menschen übernachten konnten, und „Bierkeller“ im Kellergeschoss, wo man im Kamin die erwähnten Delikatessen braten konnte. Darüber war ein kleines Zimmer genannt „Schmeichelkabinett“, wo sich angeblich ein ostdeutsches Paar liebte. Dann die „Scheune“ für die Werkzeuge und am Bach die auch von uns verwendete Sauna. Die Gastgeberin liebte diesen rauschenden Bach mit dem kühlen, braunen Wasser aus den Poletitzer Torfmooren. Bis ins hohe Alter badete sie dort morgens und manchmal auch abends im Evakostüm und so hielt sie ihre kernige Gesundheit.

Zu den treusten Freunden der Frau Professorin Kroupová gehörte ein gewisses deutsches Paar, Lutz und Vera H. aus der Umgebung von Erfurt. Alljährlich kamen sie zu ihr, um hier in der Ruhe die Kräfte für ihre anstrengenden Berufe neu zu starten sowie am Haus und in seiner Umgebung wie an eigenem zu arbeiten. Die von Lutz geschärfte Sense war etwas Weihevolles, niemand anders konnte es so gut wie er. Frau Vlasta nutzte sie beweglich noch in ihren Achtzigern.

Die letzten zwölf Jahre kamen wir nach Ernstbrunn mit dem Kollegen, Botaniker Filip aus der Gesellschaft „A Roch“, um Überwachung der Vögel und Schmetterlinge im nahen Militärgebiet Poletitz (Boletice) auszuüben. Jeden Tag wurden wir nach dem Lesen aus einer deutschen Bibel und dem gemeinsamen Gebet zur „Rüge“ angefordert. Die Gastgeberin befragte uns ausführlich und notierte oft unsere Erkenntnisse über die Vögel, Insekten und besuchten Orten. Unvergesslich bleiben ihre strahlenden und frohen Augen, als wir ihr die in der Umgebung ihres Hauses abgefangenen und beringten Vögel zeigten. Als wir sie zum Beringungstisch einluden und die farbigen Kreuzschnäbel, Stieglitze, Bachstelze, Wasseramsel oder die fliegenden Edelsteine – die Eisvögel brachten, sagte sie „das ist aber eine Herrlichkeit direkt aus der Werkstatt Gottes!“

Und noch etwas zu unseren abendlichen „Plaudereien“. Frau Vlasta war eine lebendige Chronik der vergangenen Vor- sowie Nachkriegszeiten. Es war etwas Lebendes, aktuelles, das durch ihre Geschichten vor unseren Augen aufstand, und die Menschen mochten sie für diese ihre Fähigkeit. Das Aufschreiben dieser Erinnerungen lehnte sie aber trotz meines wiederholten und hartnäckigen Drängens mit einer Notiz „es waren schöne sowie komplizierte Zeiten“ immer ab. Ich schätze, dass Frau Professorin bei ihren Schilderungen ehrlich und gerecht war. Sie konnte einfache sowie reiche und hochgestellte Menschen schätzen. Auch an manche kommunistische Parteiangehörige erinnerte sie mit Notiz „das war kein Profitmacher, er stand für seine Idealen.“ Vor allem die deutsch-tschechischen Beziehungen waren ihre Priorität, die deutsch-tschechischen Wurzeln hatten für diese Frau eine wichtige Bedeutung. An eine erneuerte Kapelle ließ sie die Worte von Jesus aufschreiben: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Darin bestand die Ansicht von Frau Vlasta auf die Vergangenheit – die Verzeihung und Versöhnung. Mit Freude initiierte ich mit meiner Frau ein Treffen unserer Freundin mit Lada Arnautová aus dem Tschechischen Fernsehen im Rahmen des Programms „Cesty víry“ (Die Pfade des Glaubens). So entstand ein schöner Dokumentarfilm, den sie online im Archiv des Tschechischen Fernsehen unter dem Titel „Paní ze Šumavy“ (Eine Frau aus dem Böhmerwald) anschauen können.

Liebe Vlasta, Du wirst uns fehlen, sowie dein „Stand“ am Pucherbach. Danke für alles, was Du uns gegeben hast. Für das Beispiel, das Leben bis zum Ende aktiv verbringen. Für die lebendige und pulsierende ökumenische Beziehung, für die Freundschaft zwischen Dir, einer Katholikin, und uns Protestanten. Alle Grenzen und Sperren zwischen uns wurden gelöscht. Wir erlebten so jahrelang eine Antizipation davon, was uns erwartet und was Du schon in Vollständigkeit erfährst.


Nachruf von Michael Haug

Eine engagierte Kämpferin für die Natur des Böhmerwaldes

Erinnerung an Vlasta Kroupová (gestorben am 22. September 2020)

von Michael Haug

Eine engagierte Kämpferin für die Natur des Böhmerwaldes - Ihr Anliegen:      Der Schutz und die Erhaltung der Kulturlandschaft, insbesondere die Sicherung der Pflege der landwirtschaftlichen Flächen im Böhmerwald

Am 22. September 2020 ist sie im Alter von 88 Jahren sanft entschlafen.

Vlasta ist in einer Förster-Familie groß geworden. Ihr Interesse galt jedoch vorrangig der Landwirtschaft. Bis ins hohe Alter war sie an der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität in České Budějovice (Budweis) aktiv. Dort hatte sie eine Professur als Dr.Ing. der Tschechischen Akademie der Wissenschaften inne.

Nach der „samtenen Revolution“ gehörte sie mit zu den ersten, die Kontakte nach Bayern suchte. So wurde sie zur Mitbegründerin des grenzüberschreitenden, trilateralten Vereins „Grünes Herz Europas“ Nationalparkregion Donau Moldau e.V. und war lange Zeit 2.Vorsitzende und Vertreterin des böhmischen Zweigs. Eine langjährige und intensive Zusammenarbeit verband Vlasta mit dem südböhmischen Naturschutz-Urgestein Václav Polák aus Budweis, der leider schon so früh verstorben ist (3. Januar 2010; lesen Sie hierzu auch den Nachruf „Zum Tod von Václav Polák“ in BERICHTE).

Einige wichtige Anliegen ihrer vielseitigen Arbeit als Lehrerin und Wissenschaftlerin

  • Betreuung von Studenten der Landwirtschaft an der Universität in Budweis
  • Erhaltung alter Haustier-Rassen wie z.B. Böhmische Gans, Kragenhuhn, Waldschaft
  • Züchtung geeigneter Rinder-Rassen zur Sicherung der Beweidung von Grenzertrags-Standorten durch Einkreuzung robuster Rassen
  • Erhaltung typischer Elemente der Bauerngärten

Ein weiteres wichtiges Anliegen von Vlasta Kroupová war die Erhaltung der Qualität des Trinkwassers. Neben dem Schutz der Natur und Landschaft ist der gesamte Böhmerwald auf tschechischer Seite auch als großräumiges Wasserschutzgebiet ausgewiesen. Beispielhaft sei hier genannt: die Quellwasser-Initiative und der symbolische Trinkwasseraustausch an der Grenze in Zusammenarbeit mit dem Kneipp-Verein Bischofsreut und dem Katholischen Frauenbund.

Mit dem BUND Naturschutz in Bayern e.V. verbindet Vlasta Kroupová bzw. verband sie auch die Mitarbeit in der Naturschutz-Initiative GRÜNES BAND Europa.