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Berichte

Naturnahe Waldentwicklung im Moor

Naturnahe Hochmoore werden meist von Moorwäldern umgeben. Diese bilden sich dort, wo die Feuchtigkeit und die Nährstoffarmut des Bodens gerade noch das Wachstum einiger weniger Baumarten wie Moor-Birke und Berg-Kiefer zulassen. Auch diese Arten überleben hier mehr schlecht als recht, so dass sie zwergwüchsig bleiben und in lockeren Beständen einen lichten Moorwald bilden. Dies bietet Raum und Licht für eine Vielzahl moortypischer Tier- und Pflanzenarten, wie Rosmarin-Heide, Hochmoor-Laufkäfer, und Waldbirkenmaus.

Fichtenplantagen und Moore
Die Fichte ist ein einheimischer Baum des Bayerischen Waldes. Sie kommt an Hängen ab 1000 m und in Tälern mit Kaltluftstau ab 800 m vor. Durch ihren natürlichen Aufbau mit allen Altersstadien, viel Totholz und offenen Bereichen sind diese Waldtypen durchaus artenreich.

Im Gegensatz dazu haben die extrem artenarmen Fichtenplantagen auf trockengelegten Feuchtwiesen und Mooren nichts mit einer natürlichen Waldentwicklung zu tun. Sie wurden im letzten Jahrhundert aus rein wirtschaftlichen Gründen vermehrt angelegt, was heute kaum mehr zulässig wäre.

Meist handelt es sich um Baumbestände, die alle zur gleichen Zeit gepflanzt wurden. Es fehlen die morschen, alten Bäume, die später als Totholz einerseits ausgesprochen wichtig für Biodiversität und Stoffhaushalt sind und andererseits die Grundlage für zukünftige Fichtengenerationen legen. Zudem sind diese Wälder eng gepflanzt und damit sehr dunkel. Bei kleineren Regenfällen kommt kaum ein Tropfen am Boden an. Dadurch und durch die hohe Verdunstung trocknen sie den Boden weiter aus. Die Fichtenstreu in diesen dichten Beständen kann mehrere Zentimeter hoch sein und baut sich nur sehr langsam ab. So haben andere Pflanzen keine Chance aufzukommen. Nicht zu vergessen ist die Empfindlichkeit gegenüber dem Borkenkäfer in trockenen Jahren, wodurch diese Wälder im Klimawandel nicht beständig sind.

Waldausdünnung im Rahmen des Projekts „LIFE for MIRES“
Viele moorbewohnende Tierarten sind auf eine abwechslungsreiche Struktur aus offenen Moorflächen und Moorwäldern mit vielen Übergangsstadien angewiesen. Beispiele dafür sind die Waldbirkenmaus, das Birkhuhn und der Hochmoor-Laufkäfer. Sie können ohne die offenen Gehölzstrukturen nicht überleben. Aus diesem Grund wurden hier im Projektgebiet „Wagenwasser“ die dichten Fichtenbestände ausgedünnt. Ziel ist hier eine langsame und vorsichtige Entwicklung von der Fichtenplantage zum Moorwald.

Nach dem Fällen werden die Fichten nur soweit mit einer speziellen Fräse entrindet, dass sie für den Borkenkäfer uninteressant werden und dann als Totholz im Wald zurückgelassen. Dies kann die Moorbildung fördern und bietet zudem Lebensraum für viele Insektenarten.

Durch eine vorsichtige Wiedervernässung der Flächen wird dieser Umbau noch gefördert, da Fichten keine Staunässe vertragen. So werden sie zurückgedrängt und typische Moorarten wie die Moor-Birke können sich wieder ausbreiten.