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Meinung der Kreisgruppe Freyung zur Atommüll-Standortsuche

Bund Naturschutz Freyung-Grafenau:  „Atommüll-Frage geht uns alle an“ – wissenschaftliches und transparentes Verfahren von zentraler Bedeutung

Endlagersuche muss fair, sauber und ergebnisoffen sein

Perlesreut/FRG. Eine schwierige Frage für einen Naturschutz- und Umweltverband: Der mögliche Standort für ein atomares Endlager im Saldenburger Granit beschäftigt die Kreisgruppe Freyung-Grafenau des Bundes Naturschutz (BN) schon seit längerer Zeit. Dass der Bayerische Wald mit in der Liste Teilgebiete für mögliche Standorte aufgetaucht ist, das hat die Vorstandsmitglieder um Dr. Peter Mayer und Antje Laux nicht überrascht. Ein generelles „Nein“ gegen einen regionalen Endlager-Standort können die ehrenamtlichen Naturschützer vom BN allerdings nicht aussprechen: „Es tut weh, aber wir müssen uns fair und sauber mit dem Thema auseinandersetzten“, so die einhellige Meinung der beiden Vorsitzenden.  Das sei eine Gewissensfrage.  Auch wenn diese Antwort eines Natur- und Umweltschutzverbandes bei vielen Bürgern zu  Kopfschütteln führen wird.

„Für mich persönlich wäre es ein großes Problem, wenn der Bayerwald – unsere Heimat, unser Landkreis – konkret in die nähere Auswahl für ein Endlager käme. Das wäre dann auch der Zeitpunkt, Gegenargumente wie Tourismus, Landschaftsschutz, Verkehrsstruktur dagegen zu setzen“, sagt Dr. Peter Mayer, Vorsitzender der Kreisgruppe Freyung-Grafenau des Bundes Naturschutz (BN).  „Aber wir stehen nun mal in der Verantwortung, der wir uns nicht entziehen dürfen: als Gesellschaft haben wir alle den Müll in Atomkraftwerken produziert und müssen uns jetzt darum kümmern.“  Deshalb ist es für ihn als Vorstand einer bayerischen Natur- und Umweltschutzorganisation Pflicht sich der Diskussion zu stellen, schließlich seien Atomkraft und ihre Hinterlassenschaften eine Gefahr für Mensch und Umwelt. „Der bestmögliche Standort muss gefunden werden, basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen“, fügt BN-Vorstandsmitglied Hans Madl-Deinhart, der sich seit Jahren mit dem Thema Energie in ihren vielen Facetten auseinandersetzt, hinzu. Für Madl-Deinhart ist klar, dass alle Regionen in Deutschland nach wissenschaftlichen Kriterien und in einem offenen Verfahren fair miteinander verglichen werden müssen – ohne politischen Lobbyismus.

Vorstand Peter Mayer führt weiter aus: „Man kann nicht in einen Koalitionsvertrag hineinschreiben, dass Bayern von vornherein für ein Endlager ungeeignet ist.  Es ist unbestritten, dass wir ein Endlager in Deutschland brauchen. In dieser Phase der Standortsuche geht es um geowissenschaftliche Argumente, nicht um Politik.  Wir alle haben aus Gorleben gelernt. Aber wir Bürgerinnen und Bürger müssen unsere Mitwirkung am Prozess einfordern. Das braucht Zeit und bedarf vor allem Augenhöhe.“  Bei einem solch komplexen und schwierigen Thema ein mächtiges Unterfangen. Zwar steht die Fachkonferenz „Teilgebiete“ allen Interessierten offen, sie soll sich aber schon kommenden Juni 2021 wieder auflösen. Und nach Meinung von Antje Laux, Stellvertretende Vorsitzende der Kreisgruppe FRG des Bund Naturschutz, ist diese Zeitspanne  viel zu kurz. „Die Materie ist ungeheuer komplex. Aber wir Menschen müssen bei solch einschneidenden Prozessen mit einbezogen werden. Ansonsten ist jegliche Vernunft bald begraben,  und wir finden uns in einer hoch emotionalen Diskussion wieder.“ Und das helfe nun wirklich keinem weiter. Denn ohne eine solide Öffentlichkeitsbeteiligung sei die Endlagersuche zum Scheitern verurteilt.

Die Auftaktveranstaltung für die anstehende Fachkonferenz „Teilgebiete“ findet bereits Mitte Oktober in Kassel statt. Hier können sich Bürger*innen, Vertreter*innen der Kommunen der Teilgebiete, Vertreter*innen gesellschaftlicher Organisationen sowie Wissenschaftler*innen in den Dialog einbringen.