MenuKreisgruppe Freyung-GrafenauBUND Naturschutz in Bayern e. V.

von links nach rechts: Schmid, Kleijn, Kaulich,Grapentin, Mergner
in der Moorfläche

Pressemitteilung

Schutz der Moore:

Klima-, Hochwasser-und Artenschutz
aus einem Guss

Bund Naturschutz (BN) stellt Moorschutzprojekte der
BN-Kreisgruppe Freyung-Grafenau vor

Die Bewahrung und Renaturierung von Mooren ist für den Erhalt
zahlreicher hoch spezialisierter Arten und der biologischen Vielfalt
insgesamt genauso wichtig, wie für die Wasserrückhaltung und den
Klimaschutz. Der Schutz der Moore ist deshalb schon seit langem ein
landesweiter Schwerpunkt des Bund Naturschutz. „Gerade in
Südbayern sind viele unserer Kreisgruppen in diesem Bereich
besonders aktiv und haben durch Renaturierungsmaßnahmen zur
Sicherung dieser bedrohten Ökosysteme schon vieles erreicht“,
betonte Richard Mergner, der Landesbeauftragte des BN.

Auch die BN-Kreisgruppe Freyung-Grafenau engagiert sich seit
langem für den Erhalt und die Verbesserung der Moorlebensräume im
Landkreis, der für die hier vorkommenden Hoch-und
Übergangsmoore bayernweit eine besondere Bedeutung und auch
Verantwortung im Rahmen der bayerischen Biodiversitätsstrategie
hat. „Neben der fünf Hektar umfassenden Hochmoorfläche
„Roßdümpfel“ bei Hinterschmiding, die uns schon länger gehört,
konnten wir in diesem Jahr drei weitere Moorgrundstücke im
Gemeindebereich von Philippsreut erwerben“, erklärte Christiane
Grapentin, die Vorsitzende der Kreisgruppe. „Zwei dieser Flächen
befinden sich in einem überregional bedeutsamen Moorkomplex bei
Hinterfirmiansreut, der sich durch eine sehr hohe Standortvielfalt
auszeichnet und in dem noch viele seltene und gefährdete Arten, wie
Kreuzotter, Hochmoorgelbling oder Korallenwurz vorkommen“, sagte
Grapentin.

Ermöglicht wurde dies durch finanzielle Zuschüsse im Rahmen der
Klimaprogramms „KLIP 2020“ des bayerischen Umweltministeriums,
mit dem auch Maßnahmen zur Renaturierung von Hochmooren
gefördert werden. „Gerade Moorschutz ist wegen der notwendigen
Sicherung des Wasserhaushalts sowie der dauerhaften natürlichen
Entwicklung, oft nur durch den Erwerb der Flächen möglich“, erklärte
Karel Kleijn, der Ökologieexperte der Kreisgruppe. „Und wir werden
alles tun um dieses Ziel zu erreichen und dieses Gebiet in direkter
Nähe zum Grünen Band Europas zu erhalten und zu verbessern.“


München
17.08.2010
PM 31/10/FA
Natur-und Klimaschutz


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München
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Pressemitteilung des Bundes Naturschutz in Bayern e.V. (BN)

Durch den Erwerb der Grundstücke konnte die BN-Kreisgruppe aber nicht
nur einen weiteren wichtigen Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt
im Hinteren Bayerischen Wald leisten. Es ist auch ein Signal um praktisch
zu zeigen, dass Moore als unverzichtbare Kohlenstoffspeicher in
verstärktem Maße dauerhaft zu erhalten sind um ihre enorme Bedeutung
für den Klimaschutz zu sichern. „In Bayern, in Deutschland in Europa und
weltweit dürfen diese Ökosysteme nicht weiter entwässert, umgebrochen
und durch sonstige menschliche Aktivitäten zerstört werden“, forderte

Mergner.

Moorschutz ist unverzichtbar beim Klimaschutz

In intakten Mooren wird abgestorbenes Pflanzenmaterial konserviert, weil
der zur Zersetzung notwendige Sauerstoff im nassen Torf fehlt.
Klimawirksames Kohlendioxid wir dadurch dauerhaft gebunden und kann
nicht in die Atmosphäre entweichen. Pro Hektar speichern Moore im mittel
etwa 700 Tonnen Kohlenstoff, sechsmal so viel wie Wald. Sie sind damit
pro Flächeneinheit die größten Kohlenstoffspeicher. Moore bedecken nur 3
% der Landfläche der Erde, speichern aber 30 % des weltweiten Boden-
Kohlenstoffs.

Werden Moore entwässert, zersetzt sich das Pflanzenmaterial weil es unter
Sauerstoffeinfluss oxidiert und Kohlendioxid entweicht Zusätzlich wird
dabei Lachgas freigesetzt, das 310-mal klimaschädlicher als Kohlendioxid
ist. Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Umweltschutz könnten
durch gezielte Renaturierung bayerischer Moore jährlich bis zu 5 Mio
Tonnen Kohlendioxidäquivalente eingespart werden, was über 6 % des
jährlichen Ausstoßes in Bayern entspricht.

Diese Zahlen belegen eindrucksvoll die Bedeutung intakter Moore für uns
alle. Hinzukommt die enorme Wasserspeicherkapazität dieser Ökosysteme
und damit der Schutz vor Hochwasserereignissen, sowie die zentrale
Bedeutung der Moore bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt.
„Insgesamt stellen Investitionen in Moorrenaturierungsprojekte einen
großen Gewinn für alle dar und auch kleinere Flächen, wie sie jetzt die BN-
Kreisgruppe erworben hat, sind dabei ganz wichtige Bausteine“, betonte
Kurt Schmid, BN-Regionalreferent für Niederbayern. „Gerade im
Regierungsbezirk Niederbayern müssen die Anstrengungen noch deutlich
verstärkt werden um beispielsweise auch bei der Renaturierung und der
moorverträglichen Nutzung der großen Niedermoore im Isartal weiter zu
kommen und im Bayerischen Wald die noch bestehenden Moore zu
sichern und deren Naturhaushalt zu verbessern“, so Schmid.

Umfassender Klimaschutz bedeutet auch Vorrang für den
Schienenverkehr

Angesichts der weltweiten und zum Teil dramatischen Wetterereignisse in
den letzten Monaten, hat vermutlich auch der letzte Zweifler begriffen, dass
der vom Menschen gemachte Klimawandel in vollem Gange ist. Zur
Verringerung der Ursachen müssen, neben vielen anderen Maßnahmen,
auch Verkehrsverlagerungen von der Straße auf die Schiene vorrangig
voran gebracht werden. „Bei der Umsteuerung in der Verkehrspolitik, weg
von der nach wie vor bestehenden Straßenbaumanie, auch hier im
Bayerischen Wald, hin zu umwelt-und klimaschonenden Verkehrsmitteln
darf keine Zeit mehr verschwendet werden“, betonte Richard Mergner.

Diese Pressemitteilung ist im Internet unter:
www.bund-naturschutz.de/presse/pressemitteilungen.html abrufbar


Pressemitteilung des Bundes Naturschutz in Bayern e.V. (BN)

Der BN Landesverband und die BN Kreisgruppen vor Ort begrüßen daher
ausdrücklich die geplante Reaktivierung der Ilztalbahn als positives
Beispiel und „Zug-Nummer für die Region“, sowie als wichtiges Signal einer
zukunfts-und ausbaufähigen Verkehrpolitik. „Wir freuen uns, dass der
Betrieb nun anscheinend im September aufgenommen werden kann und
endlich, nach langer Zeit, der erste Zug wieder von Passau nach Freyung
fährt, nachdem es leider immer wieder zu Verzögerungen kam“, sagte
Christiane Grapentin. Sie betonte auch, dass die Kreisgruppe die Idee der
Reaktivierung der Ilztalbahn seit der Gründung des Fördervereins
Ilztalbahn e.V. im Jahr 2005 unterstützt und Mitglieder der Kreisgruppe seit
dieser Zeit aktiv im Verein mitarbeiten. Grapentin: „Neben der besseren
Anbindung zu unseren tschechischen Nachbarn und den damit
verbundenen menschlichen und kulturellen Aspekten, begrüßen wir vor
allen Dingen die Bemühungen um eine alternative Mobilitätsform. Mit der
Bahn steht sowohl Gästen als auch Einheimischen ein klimaschonendes
Verkehrsmittel zur Verfügung. In Zeiten der Verknappung von Treibstoff,
steigender Treibstoffpreise sowie des fortschreitenden Klimawandels ist
die Ilztalbahn einfach ein MUSS!“

Die Weichen sind nun gestellt damit zunächst ein planmäßiger Freizeit-und
Tourismusverkehr an den Sommerwochenenden erfolgen kann, mit
Shuttlebusverkehr zu den Zügen der tschechischen Bahn nach Nove Udoli
und Vimperk. Der BN wird die Ilztalbahn (ITB) und das Fernziel der
Ilztalbahn GmbH für einen ganzjährigen öffentlichen Personennahverkehr
auf der Strecke Passau – Waldkirchen – Freyung weiter unterstützen und
dies auch auf politischer Ebene einfordern. Heike Dülfer, die
Geschäftsstellenleiterin der Kreisgruppe, verbindet mit dem Start der ersten
Züge auch die Hoffnung, dass dann die Streitigkeiten mit den Bahngegnern
endlich aufhören und auch sie die Ilztalbahn als wichtigen Beitrag zur
Reduzierung des Autoverkehrs in der Region akzeptieren.

Für Rückfragen:

Kurt Schmid
BN Regionalreferent für Niederbayern
Tel.: 089/548298-88 oder -63
kurt.schmid@bund-naturschutz.de

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