MenuKreisgruppe Freyung-GrafenauBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Die Ankaufsflächen des Bund Naturschutz im Grünen Band

Eine Übersicht über Arbeitsschwerpunkte im bayerischen Grenzraum (Stand März 2020)

In den vergangenen 15 Jahre wurde der Grenzraum der Gemeinden Mauth, Philippsreut und Haidmühle zu einem Arbeitsschwerpunkt des Bund Naturschutz. Im Rahmen des Verbandsprojekts ,,Grünes Band'' und dem Wunsch gemäß sich am Klimaschutzprogramm von Staatsregierung/EU und an der Entwicklung der Natura 2000-Gebiete im Vorfeld zweier Nationalparke zu beteiligen wurden in kurzer Zeit zahlreich Flächen gekauft und viele Maßnahmen zur Optimierung der Flächen durchgeführt. Es erscheint deswegen angebracht diese Entwicklung darzustellen und zu klären, in welche Richtung dieser neue Schwerpunkt führen soll.

Der Flächenbesitz des Bund Naturschutz im Landkreis beträgt 75 Hektar. Dazu kommen zehn bis 15 Hektar gepachtete oder von Kommunen oder Privatpersonen für Projekte zur Verfügung gestellte Flächen. In Haidmühle und Philippsreut wurden jeweils in etwa 20 Hektar angekauft, in Mauth sechs und in Neureichenau sieben Hektar. Somit wurden weit über die Hälfte der Flächen erst vor kurzem und im Grünen Band gekauft. Es handelt sich überwiegend um Feuchtflächen, teils Offenland, aber zumeist Moor-, Au- und Bruchwald. Der Schwerpunkt an Feuchtflächen erklärt sich dadurch, dass die staatliche Förderung meist über das Klimaschutzprogramm erfolgte. Die Reaktivierung des Wachstums geschädigter Moorflächen zählt als hochwirksamer Klimaschutz. Zudem gehören die Flächen zu den Bereichen, wo Arten- und Lebensraumschutz in bayerischen Mooren bevorzugt erfolgen sollte.

Bei den Maßnahmen ist entscheidend, dass die Bedeutung der Flächen für den Klimaschutz durch eine Optimierung des Moorwachstums deutlich erhöht wird. In Philippsreut wurde auf vier, in Haidmühle auf fünf Flächen größere Gehölzbestände mit Großmaschinen beseitigt, um das Offenland zu erweitern, die Wasserverluste zu verringern und so die Moorentwicklung zu fördern. In beiden Gemeinden erfolgten ebenfalls mit der Großmaschine in insgesamt 13 Flächen Dammbauten und Grabenverfüllungen zur Wiedervernässung. Wesentlich häufiger, aber weit kleinflächiger sind Grabeneinstau (Haidmühle auf sechs und Philippsreut auf zehn Flurnummern) und Gehölzbeseitigung (beide Gemeinden vier Flächen) in Handarbeit. Neu ist das Schlitzen der Rinde bei liegenden, Borkenkäfer gefährdeten Fichtenstämme. Diese neue, anerkannte Methode wurde, um das Totholz zur Moorbildung und als für den Artenschutz extrem wichtiges Lebensraumelement in der Fläche belassen zu können, in Haidmühle auf eine in Philippsreut auf sieben Flurnummern durchgeführt.

Die Aktivierung von Schwemmen und Bau von Tümpeln erfolgte in beiden Gemeinden auf je sechs Flurnummern, mit insgesamt 28 kleine und Kleinstgewässer. Mit dem Gehölzschnittgut wurden auf insgesamt sieben Flächen Reptilien-, Kleinsäuger- und Vogelhaufen aufgeschichtet, auch in der Hoffnung so teils frostfreie Überwinterungsräume zu bekommen. Die Pflanzung von Gehölzen zur Waldrandgestaltung erfolgte auf acht Flächen. In Haidmühle werden die drei beweideten und drei der vier gemähten Flächen in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Bischofsreuter Waldhufen gepflegt. Über die Lebensraumaufwertung hinausgehende Artenschutzprojekte gibt es außer für die Kreuzotter noch für Latsche und Katzenpfötchen (Nachzucht aus heimischem Saatgut und Pflanzung), Loorbeer-Weide (Pflanzung Sämlinge und Stecklinge), Weißzüngel (Sonderpflege). Für Wachholder und Eibe sind ähnliche Konzepte geplant. Ein Sonderfall ist die Arnika. Dank Öffentlichkeitsarbeit und intensiver Überwachung durch Flächennachbarn konnte der bedrohliche Blütenraub für kommerzielle Zwecke eingedämmt werden.

Die Kartierung von Pflanzen und Tierarten gehört zu den Daueraufgaben, auch um zu ermitteln, ob die Betreuung funktioniert oder Änderungen oder Ergänzungen notwendig sind. Regelmäßige Bestätigungen des Aufkommens von Haselhuhn auf mehreren Flächen und auch die Sichtung von Auerwild auf zwei Flächen und von Wachtelkönig auf drei Flächen sowie die erneut erfolgreiche Brut vom Braunkehlchen auf einer Fläche ergeben für das Jahr 2019 ein erfreuliches Bild. Ergänzt wird es von einem schon seit Jahren nennenswert gutem Bestand an gefährdeten Schmetterlingsarten, der Beobachtung gefährdeter Libellenarten, von Birkenmaus, einiger Spitzmausarten, von Bekassine und auf vielen Flächen von Kreuzotter und Bergeidechse. Es gab zwei neue Standorte von Fettkraut, ein neues Großvorkommen von Sonnentau sowie jeweils einen Fund vom Rautenfarn und Kleinen Wasserschlauch.

Es ist klar, dass viele Aufgaben nur erfolgreich zu lösen sind durch eine gute Zusammenarbeit mit den Kommunen, im Raum tätigen Betreuern von Artenschutzprojekten,  den Verantwortlichen für die Erstellung und Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen, und wie Fall der Arnika mit aufmerksamen Nachbarn. Das gilt vor allem für den Förderverein Bischofsreuter Waldhufen und die Managementpläne für die Natura2000-Gebiete und der Wasserrahmenrichtlinie. Diese Abstimmung gilt selbstverständlich auch für das neue EU-Projekt ,,Leben für Moore'' (Life for Mires). Durch dieses Projekt ist eine Absicherung in Form einer intensiven Präsenz auf der Fläche möglich, eine notwendige Voraussetzung für eine gute Abstimmung und Zusammenarbeit.