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Wanderung zum Wintergatter im Nationalpark

Wanderung zum Wintergatter im Nationalpark
 
„Das perfekte System am falschen Ort“
Bund Naturschutz-Kreisgruppe ließ sich zum Rotwild-Wintergatter des Nationalparks führen – Tierbeobachtung an der Fütterung

Neuschönau. Unser geduldiges Ausharren wurde um 13.41 Uhr belohnt: Fast lautlos kommen die Rothirsche an die Fütterung des Wintergatters Neuhüttenwiese. Die Besuchergruppe, die der Einladung der Kreisgruppe Freyung-Grafenau des Bund Naturschutz in Bayern, gefolgt war, wurde für ihr stundenlanges Warten mit einem prächtigen Anblick entschädigt. Zuvor hatte Nationalparkmitarbeiter Stephan Günther über das Projekt „Rothirsch auf neuen Wegen“ und den laufenden  Kommunikationsprozeß hinsichtlich der Öffnung der Wintergatter berichtet.

Für die fünf Kinder und Jugendlichen war das Warten wohl am härtesten: Aber die Aussicht Rotwild „live“ zu erleben, ließ sie ausharren. Und mit ihnen auch über 20 Erwachsene, die zusammen mit Stephan Günther vom Nationalpark und mit der Kreisgruppenvorsitzenden Christiane Grapentin vom Bund Naturschutz, eine Führung zum Wintergatter an der Neuhüttenwiesen gemacht hatten. Zig Rothirsche – vom 18-Ender bis zum Kalb – ließen es sich an den gut gefüllten Raufen an der Fütterung schmecken. Eingebettet in die verschneite Landschaft des Bayerischen Waldes - ein Wintermärchen.
Doch der Mitarbeiter im Projekt „Rothirsch auf neuen Wegen“ Stephan Günther hatte zuvor Kritik an diesem Idyll geübt: „Ein natürlicher Winterlebensraum sieht eigentlich anders aus. Das Wintergatter hier funktioniert wirklich gut, aber es ist das perfekte System am falschen Ort.“ Denn ein Nationalpark sollte „Natur Natur sein lassen“ und gegatterte Hirsche wären damit eben fehl am Platz, so Günther. Ursprünglich waren die Wintergatter als provisorische Lösung gedacht gewesen, um eine Zählung des vorhandenen Bestandes zu erleichtern und Wildschäden in den umliegenden Privatwäldern zu vermeiden. „Seit rund 40 Jahren zieht nun das Rotwild ab Oktober oder November in die Gatter, selbst die Brunft findet hier oft schon statt“, erzählt der Nationalparkmitarbeiter.
Diese Form des Wildtiermanagements sei einfach überholt und so fanden im Oktober 2007 die ersten Rotwildtage statt, um Alternativen zu erörtern, berichtete Stephan Günther vom Projekt „Rothirsch auf neuen Wegen“. Nachdem dort keine zufriedenstellenden Ergebnisse erzielt werden konnten, führte der Nationalpark Einzelgespräche mit den beteiligten Interessengruppen. In Abstimmung mit der Regierung von Niederbayern wurde die Einrichtung eines Runden Tisches aller Beteiligten beschlossen, um gemeinsam eine Lösung für das Thema Rotwild im Nationalpark zu erarbeiten. Da sich jedoch bei der Festlegung der Delegierten herausstellte, daß wichtige Interessengruppen aus dem Landkreis Regen nicht an diesen Gesprächen teilnehmen würden, sollen nun lediglich Treffen in unverbindlichem Rahmen stattfinden. „Die Zeit ist wohl noch nicht richtig reif dafür“, schloß Günther seine Ausführungen.
So werden in näherer Zukunft wohl noch viele Besucher das Rotwild an der Neuhüttenwiese im Winter beobachten können, denn der Nationalpark wird ohne einen Beschluß aller Interessenvertreter das bisherige Rotwild-Management beibehalten. Man freue sich jedoch über jeden konstruktiven Lösungsvorschlag, so Stephan Günther. Mit einem Positionspapier zum „Wildtiermanagement im Nationalpark Bayerischer Wald“, das die Kreisgruppe Freyung-Grafenau des Bund Naturschutz an Nationalparkleiter Sinner übergeben hat, fühle man sich darin bestätigt an einem alternativen Wildtiermanagement für die gegatterten Rothirsche weiterzuarbeiten.