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Warum wir unsere Fläche Nr 732 an der Kißlingerpiste sperren müssen

Rote Karte für den Zweckverband Wintersport im Skizentrum Mitterfirmiansreut-Philippsreut: Derzeit ist eine Teilfläche der Erweiterung des Kißlingerhangs im Auslaufbereich gesperrt. Der Bund Naturschutz als Flächeneigentümer sieht grobe Missachtungen gegen geltende Gesetze durch den Zweckverband.(Foto: Kreisgruppe FRG Bund Naturschutz)
Das Dreieck zeigt die unerlaubt gerodete Fläche

"Wir sind nicht gegen das Skifahren"

Kreisgruppe des Bund Naturschutz wehrt sich gegen Gesetzesverstöße auf BN-eigenern Fläche durch den Zweckverband Wintersport im Mitterfirmiansreut-Philippsreut

FRG. Es ist keine Kampagne der Kreisgruppe Freyung-Grafenau des Bund Naturschutz (BN) gegen die Skifahrer. Im Moment weist die verbreiterte Kißlingerpiste im unteren Bereich ein oranges Sperrband auf: die Fläche im Auslaufbereich ist für den Wintersport gesperrt. Der Flächeneigentümer - der Bund Naturschutz in Bayern - sieht Verstöße gegen geltendes Eigentumsrecht und verschiedene Naturschutz- und Bodenschutzgesetze. Hinzu kommt, dass die Moorfläche mit EU-Fördergeldern angekauft wurde und somit den Umgang mit dem Grundstück zusätzlich erschwert.

 

„Nein, wir sind nicht gegen die Skifahrer oder das Skifahren an sich. Aber hier müssen wir uns deutlich zu Gunsten der Natur positionieren“, das ist die klare Aussage der Vorstandschaft der Kreisgruppe Freyung-Grafenau des Bund Naturschutz (BN). Sichtbares Zeichen dieser Haltung ist jetzt das leuchtend orange Absperrband im unteren Bereich des Kißlingerhangs im Skigebiet Mitterfirmiansreut, das derzeit die Piste und somit die Pläne des Zweckverbandes Wintersport durchkreuzt.

Ein Blick zurück zur Ausgangslage: Für die geplante Erweiterung der Piste am Kißlingerhang wurde ein Flächentausch zwischen dem Grundeigentümer -Bund Naturschutz - und dem Zweckverband Wintersport abgesprochen. Die Kreisgruppe hatte von Anfang an Verständnis für die Anliegen des Zweckverbandes und kam diesem in jeder Hinsicht entgegen. Zu Verhandlungen über den vereinbarten Flächentausch war die Kreisgruppe allerdings zu keinem Zeitpunkt selbst berechtigt. Diese wurden von der Landesgeschäftsstelle des BN mit Sitz in Regensburg vollzogen, was mit den sehr komplizierten Sachverhalten zusammenhängt, in die zum Beispiel Naturschutz-, Klimaschutz- und EU-Förderrichtlinien hineinspielen. Dies bedeutet auch sehr strenge Grenzen für die Nutzung, so etwa durch Skifahrer.

Bei der zur bestehenden Skipiste angrenzenden Fläche des Bund Naturschutz handelt es sich um wertwollen Moorboden mit einer offenen Hangquelle, den der Verband mit EU-Geldern aus dem „KliP2020“ (Klimaprogramm Bayern) auf Bestreben der niederbayerischen Naturschutzbehörde angekauft hatte. Hintergrund ist die Sicherung und Verbesserung der angekauften Moore, die sowohl dem Klimaschutz sowie dem Erhalt der biologischen Vielfalt dienen. Mit der Zuweisung der Fördergelder sind somit strengste Auflagen verbunden, die in jedem Fall eingehalten werden müssen.

Die Landesgeschäftsstelle des BN und die Verantwortlichen des Zweckverbandes Wintersport haben das abzutretende Grundstück vor der Vermessung gemeinsam eindeutig markiert und sich auf eine gewisse Fläche geeinigt. Beim Vermessungstermin stellte sich dann heraus, dass der Zweckverband in grober Mißachtung dieser Vorgaben - zur Verwirklichung eigener Vorstellungen - gut 600 Quadratmeter auf fremdem Grund gerodet hatte. Dieser vorsätzliche Gesetzesbruch kann auch nicht einfach durch den Tausch mit einem größeren Grundstück gut gemacht werden, wie sich das der Zweckverband vorstellt, ist sich die Kreisgruppe sicher. „Hier wurden entgegen der Absprache vollendete Tatsachen geschaffen, die nicht nur Rechtsverstöße in mehrfacher Hinsicht, sondern auch einen Vertrauensbruch unter Partnern darstellt“, so der Vorstand.

Auf der BN-Fläche wurde Wald abgeholzt und die gerodete Fläche planiert; zudem ist das Holz aus der forstwirtschaftlichen Maßnahme entfernt worden. Hinzu kommt, dass die Rodung ohne behördliche Genehmigung erfolgte. Darüber hinaus ist das Grundstück mit einer Grundbuchbelastung zu Gunsten des Freistaates Bayern dem Naturschutz vorbehalten. Das war dem Zweckverband Wintersport bekannt. "Die Fördergelder aus dem Klimaschutzprogramm und die damit einhergehenden Auflagen zur Bewirtschaftung dieser Fläche erfordern unser Handeln. Wir können nicht anders", erklären die Mitglieder der Kreisgruppe die Absperrung im Auslaufbereich der neuen Skipiste am Kißlingerhang.