MenuKreisgruppe Freyung-GrafenauBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Betriebsbesichtigung im Landwirtschaftlichen Betrieb Sitter in Glöckelberg (predni Zvonkova) und Waltersgrün (Voltrov) in Südböhmen
Laufstall mit Tretmistsystem
Die Schwalben finden genügend Lehmpfützen um Nester zu bauen
 

Vorwiegend Landwirte sind der Einladung des Bund Naturschutz zur Besichtigung des landwirtschaftlichen Grossbetriebes Sitter sro in Waltersgrün (Voltrov) bzw. Glöckelberg (predni Zvonkova) in Südböhmen gefolgt. Herr Willhelm Sitter und seine Frau begrüssten die Besucher bereits auf bayerischer Seite in Riedelsbach. Gemeinsam fuhr man dann über Schöneben in Oberösterreich hinüber an den Lipno. Die Familie Sitter ist bei uns in FRG ja bekannt durch die Brauerei und Gastwirtschaft sowie die ökologische Landwirtschaft in Riedelsbach im Gemeindebereich Neureichenau. Im Jahr 1991 engagierte sich Herr Willi Sitter senior in Waltersgrün am Moldaustausee (Lipno) in einem Weidebetrieb, obwohl er eigentlich seinen baldigen Ruhestand hätte pflegen können.
Seit 2005 gehört ein benachbarter ehemaliger Staatsbetrieb in Glöckelberg auch noch dazu, sodass er dort am Moldaustausee zusammen ca. 1200 ha bewirtschaftet. Ungefähr 600 Kühe und eine ähnliche Anzahl Nachkommen, die genaue Anzahl kann im Weidebetrieb derzeit bei täglich 10 bis 20 Kälbergeburten gar nicht sofort festgestellt werden,  beweiden Grünflächen, die überwiegend im Vertragsnaturschutz stehen. Verschiedene Rinderrassen aus der bewährten europäischen Fleischproduktion findet man bei ihm auf der Weide: z.B. Hereford, Charolais, Limosin, Galloway, Simmental (Fleckvieh). Die 2005 zugekauften Stallungen sind ausgebaut worden, um den Muttertieren im Winter  geschützten Raum zu bieten. Es sind Laufställe im Tretmistsystem. Neben dem üblichen Futtertisch in der Mitte ist der Laufstall breiter als bei den uns in FRG bekannten Ställen. Vorn parallel zum Futtertisch kann der Traktor durchfahren. Weiter hinten im Liegebereich wird viel Stroh ausgeworfen. Dieses Stroh treten die Tiere allmählich nach vorn an den Futtertisch, wo nach wenigen Tagen wieder wie mit dem Schneepflug ausgeräumt werden kann. Diese Stallhaltung ist bei uns „herüben“ in FRG nicht leicht zu finden, weil es viel Platz beansprucht. Es ist jedoch sehr artgerecht für die Rinder. Eine Biogasanlage plant der agile „Rentner“ gerade. Für die anfallende Menge Mist hat der Betrieb nämlich zu wenig Fläche im Umgriff, das Meiste muss er auf der anderen Seite des Moldaustausees auf dort bewirtschafteten Flächen ausbringen, da seine Weideflächen zumindest bis 2013 ja dem Vertragsnaturschutz unterliegen. „Es bleibt abzuwarten, wie die EU den Vertragsnaturschutz dann gestalten wird“, sagt Willhelm  Sitter. Er wünscht sich, dass die künftige Förderung den Personalansatz in der Landwirtschaft stärker als bisher in Ansatz bringt. Acht Vollzeitkräfte sind bei ihm ständig im landwirtschaftlichen Einsatz, kontrollieren die Weiden, helfen jedoch nur in Ausnahmefällen bei Kälbergeburten. „Auf der Weide schaffen das die Tiere allein“, sagt er. Der Tierarzt kommt zu ihm fast nur zum Impfen und für die gesetzlich vorgeschriebenen Überwachungsaufgaben.
Nicht ohne Stolz zeigt er den Besuchern auch seine Maschinenwerkstatt, in der 2 Mitarbeiter alle Hände voll zu tun haben. Drei Bauarbeiter  renovieren und halten die Gebäude in Schuss, weitere zwei Männer erarbeiten im eigenen Wald und dem eigenen kleinen Sägewerk alles benötigte bzw. anfallende Bau- und Brennholz. Die Gäste sehen die PV-Module auf einem der Stalldächer. „Der Einspeisepreis in Tschechien ist noch höher als derzeit bei uns“, sagt Sitter. Allerdings sei der Stromversorger so ausgelastet mit Neuanlagen, dass derzeit keine neuen Anträge bearbeitet werden.
Kann man das Fleisch seiner Kühe bei ihm kaufen? Da einer in der Familie Sitter in dem Bereich tätig ist, liefert er seine Tiere in den Schlachthof nach Linz. Das sei auch einer der kürzesten Wege, aber „wir sind ganz bewusst FAMILIENbetrieb“, betont er .
Eine „kleine“ Herde (30 Stück) Burenziegen sehen die Besucher auf der Wiese hinter den Gebäuden. „Ja, die gehören auch zu uns“.sagt Willhelm Sitter, „die Ziegen dürfen ab morgen auf dem nahegelegenen gemeindeeigenen alten Kasernengelände den Aufwuchs beseitigen“.
Nach einem Abstecher in eine Werkhalle, wo eigenes Rapsöl für den Fuhrpark gepresst wird, verabschieden sich die Besucher mit Dank und voller Bewunderung für diesen Vollblut-Unternehmer, der offenbar noch viele Pläne für Verbesserungen und Erweiterungen hegt.

Hier haben die Schwalben noch Lehmpfützen für den Nestbau gefunden.