MenuKreisgruppe Freyung-GrafenauBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Aktuelle Ergänzung (Juni 2020)

Nach zwei Jahrzehnten Pflege durch Mahd, durchgeführt von wechselnden Landwirten und zum Schluss vom Flächenbetreuer der Kreisgruppe, wurde die Mahd vollständig vor zwei Jahrzehnten eingestellt. Die Zuschüsse reichten nicht ansatzweise aus, um den Schäden an Mähwerk und Maschinen auszugleichen. Nach einem halben Jahrzehnt ohne Pflege erfolgten einige Jahre der Beweidung mit Rindern. Das Resultat war sehr erfreulich, allerdings war die Periode zu kurz, um die fortgeschrittene Verbuschung stark zu reduzieren, und die Umstellung, von einer durch Verbrachung verarmten Wiese in eine artenreiche Weide, zu ermöglichen. Durch Betriebseinstellung konnte die Beweidung nicht weitergeführt werden. Die, schon in den Anfang der 80-er Jahre angestrebte, gemeinsame Beweidung, der Bund Naturschutz-Fläche und die zum Nationalpark gehörenden Teile des Naturdenkmals, wurde nun erneut diskutiert - und nach einer Periode ohne Beweidung auf der BN-Fläche und einem Teil der Nationalparkfläche umgesetzt. Dazu wurde vorher der Gehölzwuchs auf beiden Flächen von Nationalparkmitarbeitern weitgehend beseitigt, nachdem einige Jahre vorher im Rahmen einer Naturdenkmalpflege erstmals ausgelichtet worden war. Diese Gehölzbeseitigung und nach fünf Jahren die erneute Beweidung einer vergrößerten Fläche ermöglichen eine erfreuliche Entwicklung der Fläche. Einige einst prägende Arten aus der Zeit der bäuerlichen Nutzung als Wässerwiese (die genannte Orchideen) und Weide (Arnika, Silberdistel, Katzenpfötchen, Kriechweide, Böhmischer Enzian) fehlen weiterhin, durch fehlende Wässerung und Samenquellen wohl auch endgültig, Dennoch beeindruckt die Fläche durch Arten- und Strukturvielfalt, und es dürfte die Lösung für die Pflege nun gefunden worden sein.

Silberdistelwiese

Die sogenannte Silberdistelwiese am Rande des Nationalparks ist ein eingetragenes Naturdenkmal, auf dem die selten gewordenen Orchideen noch zu finden sind. Schon in den 70er Jahren wurde dort auf Initiative der BN Kreisgruppe FRG die besonders schutzwürdige Fläche als "Naturdenkmal" ausgewiesen. Michael Haug, der Vorsitzende der BN Kreisgruppe, erinnert sich an 7 verschiedene Orchideenarten, die dort auf kleinstem Raum wuchsen, Holunder-, Geflecktes-, Breitblättriges und Stattliches Knabenkraut, Waldhyazinthe, Sumpfwurz und Händelwurz neben weiteren Seltenheiten wie Böhmischer Enzian und die fleischfressenden Pflanzen Fettkraut und Sonnentau und die Silberdistel, die den Namen des Ortes prägte. Im Frühsommer war damals die Fläche immer gelb vor lauter Arnika, erzählte er.
Zwischenzeitlich hat sich diese Fläche leider grundlegend verändert. Der Wald hat die Wiese erobert und von der ursprünglichen Wiesenblütenvielfalt ist wenig übriggeblieben. Ohne die traditionelle landwirtschaftliche Pflege der Flächen, nämlich Mähen und / oder Beweiden, werden in Zukunft noch viele Pflanzenarten verschwinden, auch solche, die durchaus häufig waren, befürchten mittlerweile nicht nur die Fachleute. Mit der Philosophie "Natur Natur sein lassen" kommt bei uns der Wald, und das Verschwinden dieser offenen Kulturflächen ist somit vorprogrammiert. Bei dieser Besichtigung konnten auf kleinen Freiflächen noch wenige Exemplare des Händelwurz und der Silberdistel gefunden werden. Die Aktiven in der Kreisgruppe FRG mähen und entbuschen dort immer wieder. Freilich wird diese Arbeit mit freiwilligen und ehrenamtlichen Helfern immer schwieriger, denn eine nie planierte oder gepflügte und nicht entsteinte Fläche kann nur in Handarbeit gemäht oder entbuscht werden. Die in der landwirtschaftlichen Nutzung üblichen Pflegegelder fließen hauptsächlich für ehemalige Äcker und gut erschlossene, maschinenmähbare Flächen, wo allerdings ein weit geringerer Artenbestand typisch ist. Deswegen ist gerade der Verlust strukturreicher und damit pflegeaufwendigerer Flächen dramatisch.
Wesentlich erfolgversprechender für die dauerhafte Bewahrung des Blütenreichtums wäre eine Beweidung dieser Magerwiesen. Dies ist jedoch nur mit der finanziellen und fachlichen Unterstützung der Naturschutzbehörden realisierbar.
Besonders traurig waren die Naturfreunde über die unschönen Materialablagerungen, wilde Feuerstelle und ungeregelte Bautätigkeit am Rande des Schutzgebietes. Sicher empfinden die Urlauber ebenso, die wegen unserer schönen Landschaft zu uns zum Wandern kommen. Deshalb appellieren die Naturfreunde an die Grundeigentümer, diese Wirkung auf die Touristen zu bedenken.