MenuKreisgruppe Freyung-GrafenauBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Die sogenannte Silberdistelwiese am Rande des Nationalparks ist ein eingetragenes Naturdenkmal, auf dem die selten gewordenen Orchideen noch zu finden sind. Schon in den 70er Jahren wurde dort auf Initiative der BN Kreisgruppe FRG die besonders schutzwürdige Fläche als "Naturdenkmal" ausgewiesen. Michael Haug, der Vorsitzende der BN Kreisgruppe, erinnert sich an 7 verschiedene Orchideenarten, die dort auf kleinstem Raum wuchsen, Holunder-, Geflecktes-, Breitblättriges und Stattliches Knabenkraut, Waldhyazinthe, Sumpfwurz und Händelwurz neben weiteren Seltenheiten wie Böhmischer Enzian und die fleischfressenden Pflanzen Fettkraut und Sonnentau und die Silberdistel, die den Namen des Ortes prägte. Im Frühsommer war damals die Fläche immer gelb vor lauter Arnika, erzählte er.
Zwischenzeitlich hat sich diese Fläche leider grundlegend verändert. Der Wald hat die Wiese erobert und von der ursprünglichen Wiesenblütenvielfalt ist wenig übriggeblieben. Ohne die traditionelle landwirtschaftliche Pflege der Flächen, nämlich Mähen und / oder Beweiden, werden in Zukunft noch viele Pflanzenarten verschwinden, auch solche, die durchaus häufig waren, befürchten mittlerweile nicht nur die Fachleute. Mit der Philosophie "Natur Natur sein lassen" kommt bei uns der Wald, und das Verschwinden dieser offenen Kulturflächen ist somit vorprogrammiert. Bei dieser Besichtigung konnten auf kleinen Freiflächen noch wenige Exemplare des Händelwurz und der Silberdistel gefunden werden. Die Aktiven in der Kreisgruppe FRG mähen und entbuschen dort immer wieder. Freilich wird diese Arbeit mit freiwilligen und ehrenamtlichen Helfern immer schwieriger, denn eine nie planierte oder gepflügte und nicht entsteinte Fläche kann nur in Handarbeit gemäht oder entbuscht werden. Die in der landwirtschaftlichen Nutzung üblichen Pflegegelder fließen hauptsächlich für ehemalige Äcker und gut erschlossene, maschinenmähbare Flächen, wo allerdings ein weit geringerer Artenbestand typisch ist. Deswegen ist gerade der Verlust strukturreicher und damit pflegeaufwendigerer Flächen dramatisch.
Wesentlich erfolgversprechender für die dauerhafte Bewahrung des Blütenreichtums wäre eine Beweidung dieser Magerwiesen. Dies ist jedoch nur mit der finanziellen und fachlichen Unterstützung der Naturschutzbehörden realisierbar.
Besonders traurig waren die Naturfreunde über die unschönen Materialablagerungen, wilde Feuerstelle und ungeregelte Bautätigkeit am Rande des Schutzgebietes. Sicher empfinden die Urlauber ebenso, die wegen unserer schönen Landschaft zu uns zum Wandern kommen. Deshalb appellieren die Naturfreunde an die Grundeigentümer, diese Wirkung auf die Touristen zu bedenken.